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Die Ateliers des Südens

Art & Culture / Interior Design / Travel

Römerbauten und van Gogh? Imposant! Und jetzt steht auch noch die Eröffnung eines spektakulären Museums an. Ein verspiegelter Turm aus der Feder von Frank O. Gehry ist das Herzensprojekt einer Schweizer Mäzenin, die das südfranzösische Städtchen Arles als Kulturzentrum des 21. Jahrhunderts etabliert wissen will. Mehr noch: als Ort des Miteinanders von Künstlern und Wissenschaftlern und Labor für nachhaltige Ideen.

Tausendfach bricht sich die südfranzösische Nachmittagssonne im Metallmosaik des fast 60 Meter hohen Turms. Wie ein kantiger Meteorit aus Edelstahl ragt der Museumsneubau des Arts and Resource Center von Frank O. Gehry aus einer Glasrotunde in den tiefblauen Septemberhimmel. Mit dem Rund zitiert der amerikanische Architekt das 2000 Jahre alte Amphitheater in 600 Metern Luftlinie, das zwischen den mittelalterlichen Kirchtürmen von Arles eingebettet ist. Die glitzernde Fassade aus 11.500 perforierten Aluminiumkästchen erinnert an die Pinselstriche Vincent van Goghs und die Art und Weise, wie dieser den Kalkstein der nahe gelegenen Alpillen in seinen Gemälden zum Flimmern brachte.

Der karge Gebirgszug erhebt sich östlich der flächenmäßig größten Gemeinde Frankreichs. Im Westen schließen sich die Feuchtgebiete der Camargue an. Arles – auf halbem Weg zwischen Montpellier und Marseille – ist nicht nur geprägt von der Nähe dieser so unterschiedlichen Landschaften, hier kreuzten sich auch zwei wichtige Römerwege und sorgten für frühen Reichtum. Als Handelsstadt und Bischofssitz stand Arles seit jeher unter dem Einfluss verschiedener Kulturen. Nachdem die Römer die Baukunst gebracht hatten, die Spanier den Stierkampf und die Vietnamesen den Reis, kam mit van Gogh ein Wegbereiter der modernen Kunst nach Arles. Es war das provenzalische Licht, das ihn anzog und ihn bewog, hier eine Künstlerkolonie, die ‚Ateliers du Midi‘ zu gründen. ‚Wangoh‘, wie die Franzosen ihn nennen, blieb jedoch nur 16 Monate. Nun führt eine Schweizer Milliardärin seine Idee in die Zukunft.

Maja Hoffmann, Jahrgang 1956, ist Miterbin des Hoffmann-La Roche-Pharmakonzerns. Die rund 150 Millionen Euro für Gehrys ‚Turm der Ressourcen‘ stammen aus ihrem Vermögen. 2010 kaufte sie für zehn Millionen Le Parc des Ateliers, ein stillgelegtes Reparaturwerk der französischen Bahn mitten in Arles. Zehn Hektar umfasst das Gelände, in dessen Zentrum nun der Gehry-Turm die Blicke auf sich zieht. Während er noch auf seine Eröffnung wartet, geplant für das Frühjahr 2021, sind in einigen der ehemaligen Werkstätten drum herum Kunst und Kultur schon eingezogen. Auch ihren Umbau hat Hoffmann finanziert, gemeinsam mit ihrer gemeinnützigen Stiftung LUMA.

In einer der Hallen steht ein Pavillon aus transparentem Wellplastik. Drinnen ist ein leises Blubbern zu vernehmen, ein strenger Meeresgeruch steigt in die Nase. Die Ursache ist schnell gefunden: In großen runden Tanks versorgen Pumpen einheimische und invasive Algen mit Sauerstoff. Die schräg einfallende Spätsommersonne lässt die zylindrischen Gefäße mit den Meerespflanzen wie Lavalampen in einem Spektrum von Rotorange bis Purpur aufleuchten. „Aus den Algen haben wir einen Plastikersatz aus Biofasern entwickelt. Im 3D-Drucker entsteht daraus Geschirr, aber auch Textilfarben lassen sich herstellen.“ Caroline Bianco, 38, blond und zierlich, hat in der hohen, von schwarzen Eisenpfosten gestützten Werkshalle das Sagen. Sie ist Leiterin des Atelier LUMA, eines Thinktanks mit angeschlossenem Labor. Bianco ist aus Paris nach Arles gezogen, hat einen guten Job dort gegen die Aufbauarbeit in der Provence eingetauscht. Hier sieht sich die Produktdesignerin am Anfang einer großen Aufgabe: „Wir bewegen uns an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Design. Wir glauben: Design kann die Welt verändern.“

Eben daran glaubt auch Maja Hoffmann. Ihr Kulturcampus auf dem Gelände entlang der Bahnstrecke Paris-Marseille ist das größte private Kulturprojekt Europas. Gut möglich, dass der Gehry-Turm bald ein Wahrzeichen von Arles sein wird, wie Gehrys Guggenheim-Museum es in Bilbao ist. Doch Maja Hoffmann scheint es um mehr als um Kunst zu gehen. Sie möchte in Arles eine Ideenschmiede für Ökologie und Kultur etablieren. „Der Parc des Ateliers ist ein Wunschdenken. Es ist der Versuch, eine neue Art von Kulturinstitution ins Leben zu rufen‘‘, sagt die Mäzenin. Dafür ist sie gerüstet. Nicht nur mit dem Parc des Ateliers. Zu ihrem Kosmos gehören außerdem bereits drei Hotels und ein Restaurant.

Bis vor wenigen Jahren führte das 55.000 Einwohner zählende Arles noch ein recht beschauliches Dasein. Das Amphitheater, die römischen Ausgrabungsstätten, die mittelalterlichen Kirchen und Klöster, das Gassengewirr zwischen zweistöckigen Sandstein-Häusern, der samstägliche Markt auf dem Boulevard des Lices – das Wasser floss hier recht gemächlich die Rhone herunter. Zwar lockt im Sommer schon seit 1970 ein jährliches Fotofestival die Szene in die Provence, im Herbst jedoch fegte der Mistral die Straßen stets wieder leer.

Seit der Gehrysche Meteorit hier eingeschlagen hat, ist in Arles jedoch Aufbruchsstimmung zu spüren. Healthfood-Restaurants und Concept Stores sprießen aus dem Boden, immer mehr junges Publikum bevölkert die Cafés und Bars. Einheimische haben mit dem Projekt POP ein soziales Netzwerk ins Leben gerufen, um den Lieferverkehr in der Stadt durch das Umsatteln auf Fahrradkuriere umweltfreundlich zu gestalten, und arbeiten gleichzeitig an einer kommunalen Küche für Benachteiligte. Die Zeitgeist-Konferenz Les Napoleons war 2019 ebenso zu Gast wie das Elektrofestival We Love Green. Und im Parc des Ateliers geben sich internationale Künstler die Klinke in die Hand. Die Londoner Gilbert & George zeigten hier bereits ihre Arbeiten, genauso wie die US-Fotografin Annie Leibovitz. Der bedeutende Kurator Hans Ulrich Obrist ist regelmäßig vor Ort.

Kein Wunder also, dass Hoffmanns Name in aller Munde ist. Zwar bleibt die Mäzenin selbst gerne im Hintergrund. Doch ihre Biografie ist inzwischen bekannt: Bereits ihre Großmutter Maja Hoffmann-Stehlin sammelte Picasso, Arp und Braque. Enkelin Maja Hoffmann verbrachte einen Teil ihrer Kindheit in Arles, studierte Film in New York und begann selbst früh mit dem Sammeln von Kunst. Ihr Vater, Luc Hoffmann, war Zoologe und Mitbegründer der Umweltschutzorganisation World Wide Fund for Nature (WWF) und sorgte für die Gründung des Naturschutzgebiets Camargue. Die Verbindung zur Provence, aber auch die Nähe zu Kunst und Natur ist also Teil der Familientradition.

In den Labors des Atelier LUMA ist der Naturschützer Luc Hoffmann noch immer präsent. „Mit unserem Ansatz, das Ökosystem der Camargue miteinzubeziehen, knüpfen wir auch an seine Arbeit an“, sagt Caroline Bianco. Mit ihrem Team aus 20 Mitarbeitern – darunter Architekten, Designer, Wissenschaftler und Handwerker – ist sie auf der steten Suche nach Möglichkeiten, aus lokalen Rohstoffen alternative Produkte herzustellen. Auf den Tischen ringsum liegen einige Ergebnisse ausgebreitet: ein Stück pflanzliches Leder, das aus den Stängeln der heimischen Sonnenblume hergestellt wurde, ein hartes, halbtransparentes Werkstück bestehend aus Meersalz, das als Glasersatz dienen kann, und ein leichter, Styropor-ähnlicher Stoff, der aus Pilzen und Spreu von Getreide besteht und im Möbelbau Verwendung finden könnte.

Die Arbeit des Ateliers fließt auch in die Einrichtung des ‚Turm der Ressourcen‘ – und wird dort in enger Verbindung zur Kunst gezeigt. In Form eines fünf mal zehn Meter großen Teppichs beispielsweise, der einem Sonnenblumenfeld nachempfunden ist, entworfen von dem thailändischen Aktionskünstler Rirkrit Tiravanija. „Ein großes Wagnis“, sagt Caroline Bianco. „Das Weben eines Teppichs dieses Ausmaßes dauert 13 Monate. Wir arbeiten mit der Wolle der einheimischen Merino D’Arles, die mit Algen gefärbt wird, und wissen nicht, wie sich Material und Farben im Museumsalltag verhalten werden.“ Doch Scheitern ist Teil ihrer Arbeit, gehört zur DNA des Thinktanks. „Wir betreiben hier Grundlagenforschung. Unsere Materialien in die industrielle Produktion zu überführen, sie lizenzfähig und skalierbar zu machen, ist das Ziel.“ Dafür arbeitet das Atelier eng mit der Industrie zusammen, berät große Unternehmen in Nachhaltigkeitsfragen, solche aus der Food- und Luxusbranche beispielsweise.

Wichtige Impulse für die ‚Denkfabrik‘ liefern nicht zuletzt Artists-in-Residence-Programme. „Im letzten Jahr (20) hatten wir den Produktdesigner Martino Gamper mehrere Monate zu Gast. Er hat die Einrichtung für unser Besucher-Restaurant Le Réfectoire gestaltet.“ Bianco zeigt sich begeistert von Gampers findigem Geist. „Martino hat die Wände mit einer dämmenden Schicht aus Lehm und zerstoßenen Muschelschalen verkleidet. Für die Stühle kombinierte er recyceltes Betoneisen mit Bioplastik-Sitzflächen aus Zuckerrohr, Reisschalen und Olivensteinen, für die Bänke wurde eigens ein Filz aus der Wolle der Merino D’Arles produziert.“

„Die Wolle der Merino d’Arles zählt zu den feinsten und bauschigsten in ganz Europa. Dennoch wurde sie über Jahrzehnte nicht genutzt.“ Michael Dal Grande ist Faserhändler aus Süddeutschland und für den Einkauf von Wollfasern rund um den Globus unterwegs. Jetzt steht der 57-Jährige umringt von einer Herde beige-brauner, kraus gelockter Schafe auf einer Weide der Domaine du Merle, einem Vorzeigebetrieb mit angeschlossener Schäferschule. Der ehemalige herrschaftliche Landsitz bei Salon-de-Provence, in dem der Betrieb residiert, ist über die Route Nationale 113 zu erreichen. Sie führt durch die Ebene La Crau, eine durch Flusssedimente entstandene Schottersteppe, die Alpillen grüßen von Ferne. Das Blöken der Mutterschafe und ihrer Lämmer schallt über die von Zypressen begrenzte Wiese. Der durchlässige Boden eignet sich wenig für die Landwirtschaft, als Schafsweide aber umso besser. „Die Domaine du Merle arbeitet daran, den Menschen die Bedeutung der Merino D’Arles wieder ins Bewusstsein zu rufen. Denn der Reichtum von Arles liegt in der Wolle dieser Schafe begründet. Als direkte Nachfahren des Ur-Merinoschafs aus Spanien kommen die Merino D’Arles quasi aus bester Familie“, sagt Dal Grande. „Seit etwa 220 Jahren gibt es diese Rasse hier, doch mit dem Aufkommen der Kunstfasern rutschten die Wollpreise in den 70er Jahren in den Keller“, weiß sein Kollege Patrick Faber, Kulturhistoriker an der Domaine Du Merle. Er beschäftigt sich schon sein ganzes Arbeitsleben lang mit den Merino D’Arles und hat bereits zwei Bücher über die alte Rasse geschrieben. Um Züchtern und Konsumenten zu beweisen, was in den lokalen Schafherden steckt, haben Dal Grande und Faber eigens eine Outdoor-Wanderkollektion ins Leben gerufen. ‚La Routo‘ heißt die Linie aus aufwändig verarbeiteten Strickpullovern, wärmenden Jacken, Unterwäsche und Socken, allesamt in Frankreich und Deutschland hergestellt. Im Juni 2021 kommt sie auf den Markt. Gerade zur rechten Zeit. Denn parallel wird ein gleichnamiger Wanderweg eingeweiht, der die traditionelle Route der Schafherden von Arles in die Alpen nachzeichnet. Transhumanz nennt der Fachmann die Wanderschäferei, die Bewegungen der Schafherden und ihrer Hirten zwischen den Sommer- und Winterquartieren. Schon einige dieser Transhumanz-Routen wurden in Europa zu Wanderwegen ausgebaut und zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt. „Das wäre unser Herzenswunsch“, sagt Faber. „Und genau das richtige Signal für die Schaffarmer, die Wolle wieder wertzuschätzen.“ Eine Wertschätzung für den Reichtum des Regionalen bei Maja Hoffmann und ihrer LUMA-Stiftung muss er dafür nicht mehr werben. Im Gegenteil, der Kontakt ist eng. Der Geist der Nachhaltigkeit, er verbindet.

Das gilt auch für eine weitere Domäne: Armand Arnal führt das Restaurant La Chassagnette. Dessen Initiatorin? Maja Hoffmann. An der Landstraße D36, die südwestlich der Domaine Du Merle dem Rhoneverlauf folgend durch die Camargue ans Meer führt, baut Arnal Obst und Gemüse an. In einem drei Hektar großen Garten experimentiert der Chefkoch mit den Gegebenheiten und trotzt dem salzhaltigen Boden und dem trockenen Klima ab, was er kann: 200 Sorten Obst und Gemüse immerhin, von Quitten bis Spargel, von Chillies bis Ingwer, von Zuckerrübe bis Pak Choi. Daneben kultiviert er viele wilde Kräuter. Der natürliche Geschmack dieser Zutaten spielt in den pflanzenbasierten Gerichten des La Chassagnette die Hauptrolle. Arnals Gemüsetempura, das er hier, rund 20 Autominuten von Arles entfernt, in den Räumen einer ehemaligen Farm und auf ihrer von Platanen und Wein beschatteten Terrasse kredenzt, sein weißer Spargel mit jungem Lauch, der mit Zitronen-Petersilie-Condiment kommt, das Sorbet von roter Paprika glänzen durch Purismus. Das Brot wird aus Reismehl gebacken – eigentlich ein Sakrileg im Land der Weizenstangen. Dennoch: 2009 wurde das La Chassagnette mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet, als erstes Bio-Restaurant Frankreichs.

Arnal, der groß gewachsene Sternekoch mit dem dunklen Lockenschopf, der unweit der Camargue in Montpellier geboren wurde, hatte lange in New York gelebt. „Ich habe gemeinsam mit Alain Ducasse Rezepte für den Weltraum entwickelt.“ Die echten Sterne waren also schon zum Greifen nahe. Doch mit seiner CO2-Bilanz stand es nicht zum Besten. Zudem zog es ihn zurück in seine mediterrane Heimat. Seit über zehn Jahren arbeitet der 43-Jährige nun ausschließlich mit dem, was die Region und der Garten hergeben. „Die Beschränkung inspiriert mich, ich habe Geduld und Demut gelernt.“ Dass er dennoch eine große Vielfalt erzeugen kann, ist der Arbeit mit einem kreisförmigen Mandalay-Garten zu verdanken, einer Wechselwirtschaft, die dem Boden Zeit lässt, sich zu regenerieren. Außerdem sei das Licht in der Gegend von einer ganz besonderen Energie, das habe ja schon ‚Wangoh‘ festgestellt. „Diese Licht macht etwas mit dir. Und es macht Arles zu einem Ort, an dem man die Hände nicht in den Schoß legt“, sagt Armand Arnal, bevor er wieder mit langen Schritten in der Küche verschwindet. „Man muss hier immer in Bewegung bleiben.“

 

Arles Tipps 

Check In: Arles im April
Im April klettert das Thermometer schon Richtung 20-Grad-Marke. Stadtbesichtigung ohne nasse Füße oder glühende Sohlen? Dafür eignen sich neben April und Mai auch der September und Oktober.

Anreise
Vom Flughafen Marseille fahren täglich rund 20 Züge direkt nach Arles. Die Fahrt dauert etwa eine Stunde. Arles selbst kann man bequem zu Fuß erkunden.

Unbedingt …
Les Rencontres. Vor einem halben Jahrhundert aus der Taufe gehoben ist das Fotofestival ‚Les Rencontres de la Photographie d’Arles‘ längst fest in der Agenda der internationalen Fotoszene eingeschrieben.  Ausstellungen finden alljährlich von Juni bis September statt, und die Ausstellungsorte sind dabei so illuster und vielfältig wie die teilnehmenden Künstler und ihre Arbeiten. Mal wird im Kloster Saint-Trophime aus dem 12. Jahrhundert gezeigt, mal im Mid-Century-Gebäude des Supermarkts Monoprix oder im Off-Space La Croisière. Rund vier Dutzend sehenswerte Veranstaltungen laufen jeweils parallel – es empfiehlt sich also, etwas Zeit  mitzubringen.

Bloß nicht …
Mit dem Auto in die Innenstadt. Im engen Gassengewirr bleibt man schnell stecken. Zudem sind die wenigen Parkplätze teuer und für Anwohner und Kurzparker eingerichtet. Um sich entspannt zu bewegen,  nutzt man einfach das Parking du Centre am Boulevard des Lices. Allerdings sind in Arles auch die Parkhäuser nicht auf große Autos zugeschnitten. Also lieber eine Nummer kleiner mieten.

 

Erleben

La Tour du Valat
Sanderlinge, Stiere, Schildkröten und endlose Sümpfe. 300 Vogel- und stolze 590 Pflanzenarten sind südlich von Arles in der Camargue zuhause. Zum Schutz der mediterranen Feuchtgebiete gründete Luc Hoffmann, Zoologe und Mitinitiator der Umweltschutzorganisation World Wide Fund for Nature (WWF), die biologische Forschungsstation La Tour du Valat. Sie liegt inmitten des Naturschutzgebiets. Im Mai können Interessierte anlässlich des Festival de la Camargue et du delta du Rhône das Projekt besichtigen. Darüber hinaus finden in Zusammenarbeit mit dem Bureau des Guides Naturalistes BGN an jedem zweiten Samstag im Monat Führungen durch die Feuchtgebiete statt. Die Anmeldung erfolgt über guide-nature.fr oder telefonisch unter +33 (0)6 95 90 70 48


Check Out:
City Guides Louis Vuitton lvmh.com
arles-contemporain.com

 

10 Tipps:

Schlafen 

L’Arlatan
Wo hört Kunst auf? Und wo fängt Design an? Im Hôtel L’Arlatan, dem jüngsten Neuzugang im Kosmos von Mäzenin Maja Hoffmann, ist diese Frage nicht leicht zu beantworten. Der kubanisch-amerikanische Künstler Jorge Pardo wurde damit betraut, die Einrichtung der Traditionsunterkunft und des gleichnamigen Restaurants zu gestalten. Er tauchte das verwinkelte Häuserensemble im historischen Zentrum von Arles in ein Meer aus Farben. DZ ohne Frühstück ab 99 Euro.
arlatan.com


La Chambre Close
Gastgeber in diesem 30 Quadratmeter großen Apartment in der ersten Etage eines Hauses aus dem 18. Jahrhundert ist der Fotograf Hervé Hôte. Eine kleine Küche, ein Wohnzimmer, eine Terrasse und ein Bett, das über eine japanische Treppe erreicht werden kann – die Designer, die auch für die Fondation Vincent van Gogh und die Fondation Lee Ufan Hand anlegten, verwandelten den Raum mit hellen Hölzern und viel Weiß in ein gut durchdachtes Platzwunder für Selbstversorger. Kurze Wege auch zur Kultur. Denn unter demselben Dach richtet Hervé Hôte im Maison Close Ausstellungen, Dinners und Off-Veranstaltungen aus. Das Apartment steht zwei Personen ab 90 Euro pro Tag zur Verfügung.
lachambreclosearles.com
lamaisonclosearles.com


Le Collatéral
2012 erwarben die gebürtigen Pariser Anne-Laurence und Philippe Schiepan eine ehemalige Kirche im Stadtteil La Roquette und bauten sie um. Das Ergebnis: vier geradezu unökonomisch großzügig im Gebäude verteilte, naturinspiriert eingerichtete Zimmer. Dazwischen viel Raum für Kunst und Begegnung. Auf der Dachterrasse wird ein veganes Frühstück mit Produkten aus der Umgebung serviert – ein weiteres Highlight. DZ mit Frühstück ab 210 Euro.
lecollateral.com

 

Essen & Trinken

Chardon
Früher reiste das Trio Harry Cummins, Laura Vidal und Julia Mitton mit seinem Restaurantkonzept ‚Paris Pop-up‘ um die Welt – dann gelangten die drei nach Arles und wurden vom kreativen Spirit der Stadt gefangen  genommen. Jetzt sind sie selbst zwar sesshaft geworden, doch in ihrem Restaurant Chardon steht im zweimonatlichen Wechsel stets ein neuer Koch am Herd. Internationale Küchen mischen sich so mit Lokalem.
hellochardon.com


La Cantine Végétale
Zero Waste ist das erklärte Ziel dieses veganen Restaurants im Kulturzentrum Espace Van Gogh. Wer sich die köstlichen gesunden Gemüsegerichte mitnehmen möchte, um sie beispielsweise am nahe gelegenen Rhône-Ufer zu genießen, bekommt gegen Pfand eine Metallbox ausgehändigt. Vom Frühstück übers Mittagessen bis hin zur Kuchenzeit, von Juni bis Oktober auch inklusive Abendessen – dank der Kantine gibt es in Arles keinerlei  Versorgungslücke in Sachen organisches Essen. Die Zutaten stammen selbstredend aus der näheren Umgebung.
lacantinevegetalearles.eatbu.com


Le Buste & L’Oreille
Die vermeintliche Büste von Julius Caesar, die in der Rhône gefunden wurde, und das Ohr von van Gogh, das im Hôtel-Dieu wieder auftauchte: sie stecken hinter dem Namen des Weinkellers mit angeschlossener Bar. Das Geheimnis seiner Popularität: 500 Weine stehen hier zu Auswahl, der allergrößte Teil ist biologisch, oder bio-dynamisch. Dazu gibt es Snacks zum Teilen. DER Treffpunkt der jungen Kreativen.
lebusteetloreille.com


La Croisière
Lieblingsort der Off-Szene. Auf halbem Weg zwischen pittoresker Altstadt und dem ultramodernen Gehry-Turm finden auf einem ehemaligen Industriegelände Konzerte und Ausstellungen statt, werden Arthouse-Filme gezeigt und Food-Trucks frequentiert. Gerne trifft man sich auch zu Health-Food-Soireen.

 

Einkaufen

Dou Bochi
Der frühere Hermès-Designer Eric Bergère hat sich ganz der Provence und der lokalen Produktion verschrieben. Seine Kollektion aus Kleidern, Kaftanen, Mänteln, Hemden und Hosen setzt er in Leinen und in Baumwollstoffen im Mustermix um, gerne auch mit traditionellen provenzalischen Mustern. Für weniger Mutige sind zudem einige unifarbene Kaftane im Programm. Dou Bochi – im lokalen Dialekt: der Verrückte – heißen seine beiden Läden im Zentrum von Arles.
doubochi.com


Actes Sud
Die Actes Sud sind ein renommiertes französisches Verlagshaus und auch lokal ein wichtiger kultureller Impulsgeber. Auf dem Gelände einer früheren Schäferei, der Complexe du Méjan, pflegt man nicht nur das geschriebene Wort. Neben den Verlagsräumen und einem großen Buchladen befinden sich im verschachtelten Gebäudekomplex unweit der Rhône ein Konzertsaal, ein Kino, ein Restaurant – und sogar ein Dampfbad.
actes-sud.fr / lemejan.com

 

In der Umgebung

La Routo
Der Leithammel kennt ihn schon. Mit La Routo eröffnet im Frühjahr 2021 ein neuer Wanderweg, der sich auf den Spuren der Schafhirten und ihrer Herden bewegt. Wanderfreunde können den alten Wegen der Vierbeiner folgen, von den Winterquartieren auf die Sommerweiden. 500 Kilometer, von Arles über die Crau-Ebene bis in die Täler des Piemont, gilt es zu bewältigen.
larouto.eu

 

Les Napoleons
Seit 2015 findet in Arles ‚Les Napoleons‘ statt, eine internationale Innovationskonferenz. Einfachheit, Macht, Hingabe, Wahrheit, Fortschritt und Verwandlung, so die Schwerpunktthemen der vergangenen  Veranstaltungen. Speaker aus aller Welt, darunter Politiker ersten Ranges wie beispielsweise Barack Obama, aber auch Philosophen, Soziologen, Medienwissenschaftler, Feministinnen und Umweltschützer teilen hier ihre Zukunftsvisionen mit einer wachsenden Community. Ein Thinktank der Superlative, den Arles im jährlichen Wechsel mit dem zweiten Austragungsort, Val-d’Isère, veranstaltet.
lesnapoleons.com

 

Fondation Lee Ufan
Mehr Kunst in Sicht. 2022 soll mit der Fondation Lee Ufan des gleichnamigen koreanischen Künstlers in einem vom japanischen Architekten Tadao Andō umgestalteten Stadthaus ein Ort der zeitgenössischen Kunst hinzukommen.
leeufanfoundation.org

 

Atelier21
Die Macht der Energie der (provenzalischen) Sonne. Loïc Rogard ist von Paris nach Arles übergesiedelt und forscht hier mit seinem Team im Atelier21 in Sachen nachhaltige Energiegewinnung. Unter anderem hat er ein Lastenfahrrad mit einem solarbetriebenen Soundsystem entwickelt, das von Hongkong bis Tel Aviv auf große Gegenliebe stößt.
atelier21.org

 

Geo Saison,
April 2022